Zur Ausbildung junger Adliger gibt es eine Reihe von Erkenntnissen. Allerdings sollte beachtet werden, dass es sich hierbei wahrscheinlich um Idealvorstellungen handelt. Da nach aktuellem Forschungsstand eine ganze Reihe von Aufzeichnungen existieren, werden allerdings mit Sicherheit auch Wilhelm und Heinrich zumindest in den Grundzügen dieser Vorstellungen unterrichtet worden sein.
Zunächst einmal galt das Prinzip, die jungen Adligen sowohl in militärischen wie auch in geistigen Fähigkeiten zu schulen. Dies beinhaltete in der Regel auch das Studium kirchlicher Texte und dementsprechend die Gewöhnung an christliche Normen. Darüber hinaus wurden die Werte des Adels vermittelt: Loyalität, Kameradschaft, Tapferkeit, Eloquenz, Großzügigkeit, Fähigkeit zum Kampf mit Waffen. Als Beispiel für die Anwendung dieser Werte dienten vor allem die ,,chanson de gestes“ und romantische Texte. Aber auch die Fähigkeiten, die damals von einem Ritter erwartet wurden, musste der zukünftige Herrscher erlernen: Reiten, Schwimmen, Bogenschießen, Boxen, Falknerei, Schach und das Schreiben von poetischen Texten. Hatte der Thronfolger diese Fähigkeiten verinnerlicht, erhielt er nach den in den Prinzenspiegeln festgelegten Regeln Unterricht in den Dingen, die für einen mittelalterlichen Herrscher wichtig waren. Für Heinrich V. wurde beispielsweise der ,,,The Regiment of Princes“ verfasst. Dabei sind bestimmte Maxime deutlich, die für die Regentschaft beachtet werden sollten: Versprechen sollten gehalten, das Gesetz befolgt werden; zudem sollte der Herrscher zu Mitleid, Gnade und Geduld fähig sein.
Neben der geistigen Bildung war das körperliche Training sehr wichtig. Durch körperliche Übungen und die Ausbildung mit verschiedenen Waffen und Schlachtrössern sollte der zukünftige Herrscher auf die weniger friedlichen Zeiten seiner Regentschaft vorbereitet werden.
Sekundärliteratur:
Orme, Nicholas: From Childhood to Chivalry. The education of the English kings and aristocracy
1066-1530. Methuen & Co.: London, New York, 1984.
Über den Autor:

Daniel Ossenkop hat Geschichte, English Studies sowie Mittelalterliche Geschichte an der TU Braunschweig und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert. Seine Masterarbeit zur Belagerung von Neuss durch den Burgunderherzog Karl den Kühnen 1475 ist 2014 im Diplomica-Verlag erschienen. Heute arbeitet er als Lehrer für Geschichte und Englisch.