Tod und Sterben im Mittelalter

Hierbei handelt es sich um ein Thema, welches in unserer modernen Welt oft nur zu gerne tabuisiert wird. Darüber gesprochen wird in der Regel erst, wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt. Der Prozess des Sterbens findet heute meistens in einer künstlichen Umgebung statt, häufig ohne die direkte Begleitung durch Angehörige. Insgesamt wird der Tod heute als etwas Schreckliches betrachtet. Diese Sichtweise trägt entscheidend dazu bei, dass viele das Mittelalter als sehr finster wahrnehmen. Denn in dieser Zeit war der Tod allgegenwärtig. Jeder Mensch konnte zu jeder Zeit zu Tode kommen, unabhängig von seinem Alter oder Stand.

Foto von schuetz-mediendesign. https://pixabay.com/de/photos/ritter-mittelalter-grab-stein-603530/ (03.01.2020).

Doch der Umgang mit dem Tod war ein anderer. Er stellte kein Tabu dar. Der Anblick von Toten war schon den Jüngsten nicht ungewohnt, genausowenig wie die Begleitung eines sterbenden Menschen. Die ganze Gemeinschaft nahm Anteil. Das Sterben und schließlich der Tod waren genauso Teil des Lebens wie die Geburt oder die Hochzeit. Die Toten wurden dementsprechend auch nicht außerhalb der Städte und Dörfer bestattet. Die Friedhöhe befanden sich innerhalb der Siedlungen, rings um die Kirchen angelegt. Die Verlegung nach außen erfolgte erst in späteren Zeiten, vor allem aus hygienischen Gründen.

Sehr wichtig war den Menschen, dass sie nach ihrem Tod nicht in Vergessenheit gerieten, sondern von ihren Angehörigen und Bekannten betrauert wurden. Dadurch konnten diese ihre Anteilnahme ausdrücken. Die Vorstellung vom Leben nach dem Tod war im Abendland vom christlichen Glauben geprägt. Ein gutes, gottgefälliges Leben sollte auch ein gutes Leben nach dem Tod ermöglichen. Wichtig war auch die vollständige Bestattung, da die Gebeine am Tag des jüngsten Gerichts wieder auferstehen sollten.

Todesrisiken gab es im Mittelalter, wie schon erwähnt, viele. Herrschte Frieden, waren die Menschen vor allem durch Krankheiten, Hungersnöte und Gesetzlose bedroht. In Kriegszeiten waren die einfachen Leute auf dem Land weniger von Schlachten als von Plünderungen bedroht, durch welche sich die Armeen meist aus ihrer jeweiligen Umgebung versorgten. Für Städter sah die Sache im Kriegsfall anders aus. Bei Belagerungen wurde immer auch die Stadtbevölkerung direkt in Mitleidenschaft gezogen.

Aufgrund der mannigfaltigen Möglichkeiten, im Mittelalter den Tod zu finden, ist es nicht verwunderlich, dass das Thema nicht totzuschweigen war. Durch die gemeinsame Erfahrung und die gegenseitige Unterstützung der Menschen untereinander war es für diese aber wahrscheinlich weniger schrecklich, als es für uns heute aussieht.

 

Sekundärliteratur:

Borst, Arno: Lebensformen im Mittelalter. 5. Auflage 2010. Ullstein: Berlin, 1973.

 

Über den Autor:

Daniel Ossenkop hat Geschichte, English Studies sowie Mittelalterliche Geschichte an der TU Braunschweig und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert. Seine Masterarbeit zur Belagerung von Neuss durch den Burgunderherzog Karl den Kühnen 1475 ist 2014 im Diplomica-Verlag erschienen. Heute arbeitet er als Lehrer für Geschichte und Englisch.

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