Was geht Ihnen als erstes durch den Kopf, wenn Sie an „Martial Arts“ denken? Mir zumindest lange Zeit alles, was mit den Kampfkünsten, Kampfsportarten und Waffen zu tun hat, die man aus Asien kennt. Im Bereich des Mittelalters sind das zum einen die Armeen Chinas zu dieser Zeit, die bereits eine beachtliche Größe und einen hervorragenden Organisationsgrad besaßen. Außerdem Japan, mit seinen zahlreichen Feudalfürsten, den Samurai und den Ninja. Das gleiche gilt für die Waffen dieser Epoche, das chinesische Kriegsschwert und das weltberühmte Katana.
Lange Zeit konnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass hier der Ursprung aller Kampfkunst zu finden ist. Weltweit herrschte lange Zeit ungebrochene Begeisterung für den asiatischen Raum und seine Traditionen. Die Kampfkünste, die Kampfsportarten und Waffen fanden großen Anklang in der westlichen Welt. Doch stimmt es wirklich, dass Asien der Wiege der Waffentechnologie und des waffenlosen Nahkampfes ist?
Nichts wäre weiter von der Wahrheit entfernt. Bei genauerer Betrachtung ist es sogar sehr erstaunlich, dass dieser Eindruck entstanden ist. Schaut man sich die Geschichte Europas an wird schnell deutlich, dass ein sehr großer Teil aus gewalttätigen Konflikten besteht. Anzunehmen, dass diese ohne gewisse Kenntnisse im waffenlosen Nahkampf, Kampf mit Waffen und der Herstellung qualitativ hochwertiger Kriegswerkzeuge in einem derartigen Umfang überhaupt möglich gewesen wäre, wäre absurd. Bereits in der Antike gab es hochentwickelte Kampfsysteme. Ein gutes Beispiel hierfür ist das griechische Pankration (frei übersetzt: Mit allen Mitteln), welches auch heute wieder praktiziert wird und gewisse Parallelen mit den modernen Mixed-Martial-Arts aufweist. Auch Boxen ist ein sehr alter Sport, der bereits in Griechenland ausgeübt wurde. Die Römer machten ihn noch brutaler, indem sie ihre Boxer mit stahlbeschlagenen Handschuhen gegeneinander antreten ließen. Auch das Ringen hatte seit jeher einen festen Platz im sportlichen Angebot der Antike.
In der Waffenherstellung verfügten die europäischen Schmiede bereits in der Antike über fundiertes Wissen, aufgebaut über Jahrhunderte. Das römische Gladius ist hierfür ein hervorragendes Beispiel. Aber auch keltische Schwerter waren von ausgesprochen guter Qualität. Diese Tradition setzte sich auch im Mittelalter weiter fort. Ein weiterer Vorteil war, dass der europäische Stahl qualitativ sehr hochwertig ist. Später sollen ihn auch die japanischen Schmiede importiert haben.
Der Schwertkampf entwickelte sich auch in Europa ständig weiter. Mehrere Meister haben niedergeschrieben, wie man mit den Schwertern der jeweiligen Zeit siegreich fechten konnte. Über diese Schwerter habe ich bereits einen Artikel geschrieben, weswegen ich hier nicht näher auf sie eingehen werde. Wichtig ist, dass es genaue Systeme gab, nach denen gekämpft wurde. Sie zeichnen sich in der Regel vor allem dadurch aus, dass sie auf Effizienz ausgelegt sind. Wirklich durchritualisiert, wie beispielsweise bei den Shaolinmönchen, waren die Kämpfe nicht. Der Sieg war entscheidend.
Auch das, was die Ninja verkörpern, ist nicht auf Japan beschränkt. Auf den Kreuzzügen stießen die Europäer auf einen mysteriösen und Furcht einflößenden Orden, die Assassinen. Sie gab es sowohl in Persien als auch in Syrien. Sie waren berüchtigt dafür, politische Morde zu begehen, selbst wenn es den Tod des Attentäters bedeutete. Sie sahen sich als Märtyrer, die die gottgewollte Grundordnung des Islams wiederherstellen wollten. Sie agierten im Verborgenen, schlichen sich in die Burgen und ermordeten dort ihr Opfer. Wirklich aussagekräftige Quellen lassen sich hier kaum finden, daher wird vieles wohl weiterhin im Dunkeln der Geschichte bleiben.
Wie wir sehen, besitzt Europa eine mindestens ebenso lange Tradition im Bereich der Kampfkünste und der Schmiedekunst wie Asien. Leider geriet vieles davon in Vergessenheit. Mit der Weiterentwicklung der Waffentechnik gerieten die alten Schwertkampflehren etwas ins Abseits. Die Armeen verließen sich bald eher auf ihre Musketen und Bajonette. Dennoch, vieles blieb erhalten. Das Fechten wurde ohne Unterbrechung bis heute fortgeführt, entweder als Duell oder als Sport. Ringen und Boxen gab es ebenfalls weiterhin.
In den letzten Jahren begann die sehr erfreulich Entwicklung, sich wieder etwas mehr auf die Ursprünge der europäischen Martial-Arts zu interessieren. Es finden sich immer mehr Menschen, die sich hierfür interessieren oder sogar einige dieser Künste erlernen möchten. Es existieren zwar schriftliche Quellen und Abbildungen, dennoch wird vieles durch praktisches Ausführen erprobt und ergänzt. Dies gilt auch für die Kampftechniken des Mittelalters. Wer in die Materie einsteigen will, dem sei insbesondere diese Seite wärmstens empfohlen:
Wiktenauer . Ein Wiki der europäischen Martial Arts
Über den Autor:
Daniel Ossenkop hat Geschichte, English Studies sowie Mittelalterliche Geschichte an der TU Braunschweig und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert. Seine Masterarbeit zur Belagerung von Neuss durch den Burgunderherzog Karl den Kühnen 1475 ist 2014 im Diplomica-Verlag erschienen. Heute arbeitet er als Lehrer für Geschichte und Englisch.
hallo können sie mir helfen ich habe ein del tin 2161 in einen abrißhaus gefunden und würde es gerne verkaufen.
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Hallo,
am besten zum Händler damit und schätzen lassen. Es gibt eine Menge Modelle, bei denen es sich um Repliken oder Dekoschwerter handelt. Ich vermute mal, dass dies auch hier der Fall ist. Was das dann genau wert ist, wird Ihnen der Händler sagen können. Fragen können Sie sowohl im Waffenhandel als auch bei Antiquitätenhändlern.
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