Das Angeln erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Was gibt es für den passionierten Angler auch Schöneres, als beim Fischen mit der Pose oder bei der Pirsch auf Raubfische erfolgreich zu sein? Diese Begeisterung ist nicht neu und lässt sich in beinahe allen Epochen nachweisen.
Die Fischerei nahm darüber hinaus bei der Lebensmittelversorgung der mittelalterlichen Gesellschaft eine wichtige Rolle ein. Die Verwendung von Netzen, Reusen, Wehren und insbesondere die Karpfenzucht sind in den Quellen als auch archäologisch eindeutig belegt. Die Angelfischerei gibt es bereits seit der Antike und weckte im Mittelalter sogar die Begeisterung der herrschenden Klasse.
Wie weit die Angelfischerei verbreitet war, welche Methoden angewandt wurden und wie im Spätmittelalter eine Angelrute samt Zubehör hergestellt wurde, darum soll es in diesem Artikel gehen. Grundlage bilden archäologische Erkenntnisse sowie zeitgenössisches Schrift- und Bildquellen.
Angelfischerei im Mittelalter
Das Angeln ist keine Erfindung des Mittelalters. Wir wissen aus antiken Quellen, dass schon im alten Ägypten geangelt wurde. Neu für das Mittelalter war die breite Verwendung von Haken aus Eisen. Zunächst war dies vor allem bei den Slawen der Fall. Die Skandinavier nutzten zu dieser Zeit eher Knebel aus Holz. Diese waren komplett im Köderfisch verborgen und stellten sich nach dem Verschlucken durch einen Raubfisch quer. Ein Vorteil gegenüber dem Haken aus Eisen gab es: Der Köderfisch konnte nicht so leicht vom Haken gefressen werden. Zudem waren die Knebel günstiger und einfacher herzustellen. Gefangen wurden so vor allem Kabeljau und Hecht. Diese Methode blieb aber auf den skandinavischen Raum beschränkt.[1]
Die Angelrute aus dem Jahr 1496
Die älteste erhaltende Schriftquelle zum Fischen mit der Angel ist „A treatyse of fysshynge wyth an Angle“[2] aus dem Jahr 1496 aus „The Booke of haukynge, huntyng and fysshyng, with all necessary properties and medicines that are to be kept.“ Tottel, 1561. Diese zeitgenössische Quelle beschreibt detailliert, wie eine Angelrute samt Zubehör im 15. Jahrhundert hergestellt wurde.
Der Autor gibt uns hier genaueste Anweisungen über Material, Abmessungen und Anwendung der Angel. Zunächst wird erklärt, wie die Angelrute hergestellt werden muss:
Gesamtlänge: 5 Meter
Drei auseinandernehmbare Teile.
Unterer Teil:
-drei Meter lang
-Haselnuss-Holz oder Weide
-Loch in der Mitte, oben
-Griff aus Metall
Mittlerer Teil:
-1 Meter lang
-Haselnuss-Holz
-passt genau in das Loch am Ende des unteren Teils; ein Eisenhaken, damit es nicht verrutscht
Oberer Teil:
-1 Meter lang
-flexibler Schwarzdorn oder Wacholder
-wird dauerhaft an den mittleren Teil angeklebt
Spitze:
-Schlaufe aus Schnur, an der dann direkt die Angelschnur befestigt wird
Die Schnur besteht aus Haaren aus dem Pferdeschweif, welches in eine Vorrichtung (siehe unten) gespannt und an beiden Enden verknotet wird. Hierfür sollen so viele Strähnen verwendet werden, wie für die gewünschte Länge benötigt werden. Verschiedene Schnüre für den Zielfisch gab es nicht: „right sure for any maner of fysshe.“[3]
Das bedeutete keineswegs, dass man nur eine Schnur benötigte. Vielmehr verwendete man je nach Jahreszeit und Gewässerart unterschiedlich gefärbte Angelschnüre. Hier eine Übersicht:
Grüne Schnur: Klares Wasser von April bis September.
Gelbe Schnur: Klares Wasser von September bis November, da sie den verwelkenden Wasserpflanzen gleicht.
Rotbraune Schnur: Flüsse und Seen, November bis April.
Braune Schnur: Dunkles Wasser.
Hellbraune Schnur: Trübe oder moorige Gewässer.
Die Herstellung des Hakens stellte laut Quelle die größte Herausforderung dar. Diese wurden hier aus Eisen gefertigt. Hierfür wurden Nadeln im Feuer erhitzt und anschließend in die gewünschte Form gebogen. Anders als in Skandinavien wurden in Westeuropa meist folgende Haken verwendet:
Anschließend ging es an die Zusammenstellung der je nach Fisch unterschiedlichen Montage. Für Barsche, Hechte und das Grundfischen gibt es unterschiedliche Montagen. Hierbei fanden bereits Bleie und Blinker Anwendung.[4]
Maximilian und die Fische – der Kaiser und das Angeln
Diese bildliche Darstellung aus der Biografie des Habsburger Kaisers Maximilian I. zeigt den Monarchen beim Angeln. Rund um ihn sind auch andere Menschen mit der Fischerei beschäftigt, allerdings fällt auf, dass nur der Kaiser und einige Begleiter Angelruten verwenden. Ansonsten kommen Netze, Reusen oder auch die bloßen Hände zum Einsatz. Kaiser Maximilian war ein großer Freund der Fischerei. Er angelte nicht nur selbst, er ließ auch spezielle Seen anlegen und besetzen. Wer hier etwas tiefer einsteigen möchte, dem sei das „Tiroler Fischereibuch“ ans Herz gelegt.
Die Reusen und Netze machen auch klar, dass für das Fangen großer Mengen an Fisch nicht die Angel zum Einsatz kam. Dies gilt bis heute in allen Bereichen der Fischerei. Auch der von Maximilian erfunden Fischbottich (unten im Bild erkennbar) zeigt, dass es ihm um weit mehr ging als um das Privatvergnügen. Vielmehr war der Fisch wichtiges Nahrungsmittel, vor allem für die christlichen Feiertage, an denen kein Fleisch gegessen werden durfte.[5] Fisch diente dann vor allem als wichtiger Eiweißlieferant.
[1] Vgl. Lampen, Angelika (2000). S. 101 – 102.
[2] http://www.luminarium.org/renascence-editions/berners/berners.html (04.11.2021).
[3] Cf. Ebd.
[4] Vgl. Ebd.
[5] Vgl. https://blog.innsbruck.info/de/essen-trinken/des-kaisers-lust-auf-frische-fische/ (04.11.2021).
Quellen
Lampen, Angelika. Fischerei und Fischhandel im Mittelalter. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Untersuchungen nach urkundlichen und archäologischen Quellen des 6. und 14. Jahrhunderts im Gebiet des Deutschen Reiches. Husum, 2000.
https://blog.innsbruck.info/de/essen-trinken/des-kaisers-lust-auf-frische-fische/ (04.11.2021).
http://www.luminarium.org/renascence-editions/berners/berners.html (04.11.2021).







Ein sehr interessanter und aufschlussreicher Beitrag. Das Thema war mir noch gar nicht bekannt und ergänzt auf bildhafte und spannende Weise mein Wissen vom Mittelalter. Wieder packend zu lesen, super.
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