Darum fasziniert das Mittelalter auch heute noch

Das Mittelalter als Epoche zu umreißen ist alles andere als einfach. So wird der Beginn häufig um das Jahr 500 n.Chr. herum festgemacht, andere Male um 700 n.Chr. Als Ende wird gerne die Eroberung Konstantinopels 1453 oder die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 angeführt. Die Einteilung der Zeit in Epochen entstand in der Zeit des ausgehenden Mittelalters als Versuch, die eigene Zeit und sich selbst besser einordnen zu können. Über die Jahrhunderte wurde dieses Modell immer wieder aufgegriffen und angepasst. Für uns Menschen sind derartige Orientierungspunkte wichtig, um ihr eigenes Wirken auf dieser Welt verstehen zu können. Für die Menschen in den Jahren von 500 – 1500 war das nicht anders, nur dass man sich noch nicht klar von einer vorhergehenden Epoche (die wir heute Antike nennen) abgrenzte. Vielmehr ging es um die Fortführung der bereits bestehenden Traditionen, freilich mit einem großen Einfluss durch die Kirche.

Mittelalterliche Geschichte – nur in Europa?

Sprechen wir von Mittelalterlicher Geschichte meinen wir in aller Regel die Geschichte des mittelalterlichen Europas. Diese eurozentristische Sicht ist nicht verwunderlich, möchte man doch gezielt die Geschichte Europas erforschen. Allerdings lohnen Blicke über den Tellerrand hinaus. Denn internationaler Handel und weitreichende politische Beziehungen waren fester Bestandteile der mittelalterlichen Welt. Die Entdeckungsreisen der Skandinavier sind da nur ein Beispiel unter vielen. Waren wurden weltweit gehandelt, vor allem über die berühmte Seidenstraße. Und auch wenn die Kommunikationswege nicht so schnell waren wie die unseren, es gab sie. Die Welt des Mittelalters war bereits deutlich vernetzter, als wir ihr es häufig zugestehen. Bei einem derart regen Austausch über Grenzen hinweg (und auch Kriege gehörten dazu) kam es in allen beteiligten Gebieten zu einer bisweilen erstaunlichen Kooperation zwischen den Kulturen, die die Wissenschaft und den Handel maßgeblich beeinflussten. Einflüsse, die bis heute nachwirken.

Eine Zeit großer Krisen und großer Chancen

Wie alle Epochen war auch das Mittelalter geprägt von großen Krisen und Katastrophen. Beispiele wie die große Pest ab dem Jahr 1347 tötete beispielsweise Millionen von Menschen, nicht nur in Europa. Kriege um Land, Herrschaft und Glauben finden sich in großer Zahl. Aber trotz allem hat uns das Mittelalter großartige Errungenschaften und Bauten hinterlassen – denken wir nur einmal an die prächtigen Kathedrale von Rouen . Mittelalterliche Medizin, Glaube und Philosophie formten Europa maßgeblich. Den Schreibern in den Klöstern ist es zu verdanken, dass viele antike Texte bis in unsere Zeit überdauert haben. Eine ambivalente Zeit – so wie alle anderen Epochen auch.

Menschen schreiben Geschichte

Es waren nicht die Bauwerke und Schriftstücke, es waren die Menschen die dieser Zeit ihren Stempel aufdrückten. Namen wie Friedrich Barbarossa, Heinrich der Löwe, Martin Luther, Jakob Fugger, Hildegard von Bingen, Saladin, Löwenherz und Henry V sind bis heute bekannt. Sie stehen stellvertretend für all die Bauern, Bürger, Geistlichen, Könige und Königinnen, Handwerker und Kaufleute des Mittelalters. Sie waren es, die Handel trieben, Entdeckungen machten und wesentlich dazu beitrugen, dass es trotz der engen gesellschaftlichen und religiösen Regeln zu bahnbrechenden Entdeckungen und letzten Endes zur Veränderung kam. So war es ausgerechnet ein ehemaliger Mönch namens Martin Luther, der die folgenreiche Reformation mit all ihren Folgen anstoßen sollte. Ohne die Menschen keine Geschichte der Menschheit – Grund genug, sie in den Fokus jeder Beschäftigung mit dem Mittelalter zu rücken.

Mythen machen Geschichte

Sagen und Mythen über das Mittelalter finden sich bis heute in großer Zahl. Ein kurzer Blick auf die Popkultur bestätigt das eindrucksvoll. Man denke nur einmal an Game of Thrones, übrigens inspiriert von den englischen Rosenkriegen 1455 bis 1485 zwischen den Häusern Lancaster und York. Menschen späterer Epochen haben mittelalterliche Erzählungen und Vorstellungen immer wieder aufgegriffen und ihre ganz eigenen Fragen an diese Zeit gestellt. Und das ist auch, was die Geschichte immer aktuell macht: Jede Generation hat ihre eigenen Fragen an die Vergangenheit. Diese Fragen richtig zu stellen und dabei mit der richtigen Methodik zu beantworten sind dabei die größten Herausforderungen.   

Ich möchte mich mit dem Mittelalter beschäftigen – was nun?

Der Einstieg in ein komplexes Thema wie das der Mittelalterlichen Geschichte fällt nicht immer leicht. Es lohnt sich daher, mit einem groben Überblick zu beginnen (bei einem entspannten Sonntag Nachmittag) und dann in das Thema näher einzusteigen, welches Sie am meisten interessiert. Neben diesem Blog bieten sich da zahlreiche Bücher und Dokumentationen an. Einen guten und detaillierten Überblick bietet Johannes Fried in seinem Buch „Das Mittelalter – Geschichte und Kultur“. Wer lieber Videos schauen möchte, dem sei der Kanal „Geschichtsfenster“ auf Youtube sehr ans Herz gelegt. Aber egal wie – die Beschäftigung mit dem Mittelalter lohnt auf jeden Fall!

Weitere Ressourcen:

Johannes Fried, Das Mittelalter: https://www.chbeck.de/fried-mittelalter/product/24534

Geschichtesfenster: https://www.youtube.com/@Geschichtsfenster

Doku über das Mittelalter: https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/eine-kurze-geschichte-ueber-das-mittelalter-mit-mirko-drotschmann-100.html

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