Belagerungen stellten im Mittelalter eine der häufigsten Formen des bewaffneten Konflikts dar. Offene Feldschlachten waren zu riskant, da der Ausgang schwer vorhersehbar war. Außerdem stellte eine gut designte Befestigungslage einen unschätzbaren Vorteil für denjenigen dar, der sie unter Kontrolle hatte. Kein Wunder, dass Belagerungsingenieure hochgeschätzt waren. Sie erfanden die Maschinen, mit denen in der Regel selbst die mächtigsten Bollwerke überwunden werden konnten. Wurfmaschinen stellten dabei einen zentralen Aspekt dar. Mit ihnen war es möglich, Geschosse jeglicher Art in das Innere einer Burg zu schleudern – oder gleich die Mauern zum Einsturz zu bringen. Diese Maschinen wurden bereits in der Antike eingesetzt, im Mittelalter aber noch einmal deutlich weiterentwickelt. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellte vor dem Zeitalter des Schießpulvers der sogenannten Trebuchet dar – so gefürchtet, dass allein das Aufstellen dieser Maschine bisweilen ausreichte, die Verteidiger zur Kapitulation zu bewegen.
So funktioniert der Trebuchet
Auch wenn der Trebuchet in der Größe variieren konnte, der grundsätzliche Aufbau sowie die Funktionsweise waren immer gleich. Der lange Wurfarm wurde mit Hilfe einer beweglichen Achse an einem hölzernen Gerüst angebracht. Am unteren Ende befand sich eine lederne Schlinge, in die die Geschosse gelegt wurden. Am oberen Ende befand sich das Gegengewicht. Um den Trebuchet zu laden, wurde der Wurfarm mit Hilfe eines Seils nach unten gezogen. Bei den größeren Maschinen geschah dies mittels zweier „Hamsterräder“, die von Muskelkraft betrieben wurden. Anschließend wurde das jeweilige Geschoss in die Schlaufe gelegt. Löste man nun das gesicherte Seil, zog das Gegengewicht den Wurfarm nach unten und schleuderte das Geschoss in Richtung der feindlichen Befestigungsanlagen. Die lederne Schlinge sorgte dabei durch ihre Bewegung nach vorne für weiteren Schwung, was die Wurfweite deutlich erhöhte.

Die Gegengewichte betreffend gab es verschiedene Ausführungen des Trebuchets. Beim trabucium war das Gegengewicht fest verbaut und unbeweglich und machte diese Ausführung zu der am „einfachsten“ zu konstruierenden. Beim biffa war es beweglich. Dies hatte zusätzliche Reichweite und Durchschlagskraft zur Folge. Beim Modell tripantium gab es ein fixes und ein bewegliches Gegengewicht. Aber wie weit konnte man die Geschosse werfen?
Dies hängt von einigen Faktoren ab, nicht zuletzt von der Art des Geschosses. Hier einige grundlegende technische Daten, sofern es sich beim Geschoss um eine Kugel handelt:
| Gegengewicht | Gewicht des Geschosses | Reichweite |
| 4 t | 100 kg | 154 m |
| 6 t | 100 kg | 209 m |
| 8 t | 100 kg | 277 m |
Der Trebuchet konnte es auf ein Gesamtgewicht von 17 – 21 Tonnen (inkl. Gegengewicht) bringen und wurde von einer erfahrenen Crew von 10 – 12 Mann betrieben. Aufgrund seiner hölzernen Bauart und der verwendeten Seile war er zudem witterungsanfällig und musste stets vor feindlichen Ausfällen geschützt werden.
Die verwendeten Geschosse
Verschossen werden konnte alles, sofern es nicht zu schwer war. In modernen Versuchen wurden sogar ganze Autos durch die Luft geschleudert – allerdings nicht so weit wie eine der im Mittelalter üblichen Kugeln aus Stein. Für den Einsatz gegen feindliche Truppen gab es außerdem den sogenannten „Bienenkorb“, ein mit Ton und Steinen gefülltes Gefäß, welches beim Aufprall zerbrach und seine tödliche Fracht in jede Richtung verteilte. Zusätzlich kamen Brandgeschosse zum Einsatz, um Gebäude innerhalb einer Befestigung in Brand zu setzen. Und selbst biologische Kriegführung wurde betrieben. Manchmal wurden verseuchte Tierkadaver in eine belagerte Stadt geworfen, um dort Seuchen ausbrechen zu lassen. Diese Methode war allerdings nicht ungefährlich, war doch auch die eigene Armee durch die Erreger gefährdet. Aber schon damals gab es nicht wenige Heerführer, denen es in erster Linie um Ergebnisse ging.
Die Wirkung auf dem mittelalterlichen Schlachtfeld
Der Trebuchet war teuer, schwer zu manövrieren, aufzubauen, zu warten und zu bedienen, dazu stets anfällig für Wetter und feindliche Angriffe. Dass er dennoch zahlreich über einen langen Zeitraum zur Anwendung kam und einige Zeit sogar neben den neuartigen Kanonen existierte, zeigt aber, dass sein militärischer Wert sehr hoch war. Er war sehr präzise und durchschlagskräftig. Auf die angegebenen Entfernungen konnten hölzerne Befestigungsanlagen häufig mit einem Schuss, steinerne Mauern nach mehrmaligen Treffern zum Einsturz gebracht werden. So war es trotz der niedrigen Schussfrequenz von zwei Schuss pro Stunde möglich, die gegnerische Burg ohne große eigene Verluste einzunehmen. Insbesondere dann, wenn man über mehrere Trebuchets verfügte. Voraussetzung war, dass die Belagerungsingenieure genug Zeit zur Verfügung hatten. Zusätzlich muss die psychologische Wirkung in Betracht gezogen werden. Der Einschlag von Geschossen ohne Vorwarnung, zu jeder Tages- und Nachtzeit, konnten eine Burgbesatzung schnell zermürben, der angerichtete Schaden in Städten durchaus dazu führen, dass eine Aufgabe in Betracht gezogen wurde. Immer gelang dies allerdings nicht. Die Belagerung von Neuss durch Karl den Kühnen 1475 bewies, dass eine Stadt trotz einjährigem Beschuss standhalten konnte.
In offenen Feldschlachten wurden Trebuchets nicht eingesetzt. Ihr Aufbau und ihr Betrieb dauerten hierzu viel zu lange. Selbst wenn man es geschafft hätte, sie auf einem Schlachtfeld in der richtigen Entfernung zum Feind zu platzieren, wären zwei Schuss pro Stunde viel zu wenig, um einen Effekt zu erzielen. Sie konnten aber durchaus aus einer Befestigungsanlage heraus verwendet werden, die einen entsprechenden Schutz bot.
Abschließende Gedanken
Kriegsmaschinen wie der Trebuchet erlangten auch deshalb traurige Berühmtheit, weil sie für die Entwicklung der Militärtechnik sehr wichtig waren. Die hier angewandten Prinzipien fanden sich in späteren Jahrhunderten immer wieder, bis hin zu den Katapulten, die heute auf den Decks von Flugzeugträgern zum Einsatz kommen. Ihre Anwendung führte in den meisten Fällen zu hohen Verlusten unter Soldaten und Zivilisten. Für uns Historiker gehört aber die Geschichte des Krieges untrennbar zur Menschheitsgeschichte, sodass eine Untersuchung der dazugehörigen Aspekte keineswegs als Mittel zur Kriegsverherrlichung verstanden werden sollte. Trotzdem Kriege in letzter Zeit wieder vermehrt geführt werden, oder gerade weil, ist eine Beschäftigung mit der Geschichte des Krieges unerlässlich.