Lancaster vs. York: Der dynastische Krieg um den englischen Thron

Einführung

Ein „Game of Thrones“ in der realen Welt – als nichts weniger kann man die Rosenkriege 1455 – 1485 zwischen den Häusern Lancaster und York bezeichnen. In diesem drei Jahrzehnte dauernden Konflikt ging es darum, wer den englischen Thron besteigen durfte. Ausgetragen wurde er mit allen Mitteln, militärisch wie bei Hofe. Intrigen, Heiratspolitik, Mord und grausame Schlachten gingen bisweilen Hand in Hand – um am Ende beide Häuser zum Hause Tudor zu verbinden.

Wie es dazu kam, wer die entscheidenden Rollen spielte und welche Ereignisse besonders wichtig waren – darum geht es in diesem Blogbeitrag. Begleiten Sie mich auf eine Reise durch die Geschichte der Rosenkriege. Dabei sind alle Inhalte wissenschaftlich fundiert. Am Ende finden Sie ein Quellen- und Literaturverzeichnis, sollten Sie anschließend tiefer in die Materie einsteigen wollen.

Ursachen und Hintergrund

Um den Weg in den Krieg besser verstehen zu können, ist ein Verständnis der politischen und gesellschaftlichen Strukturen Englands im 14. und 15. Jahrhundert unumgänglich. Zu dieser Zeit herrschte das Feudalsystem vor. Adelige Großgrundbesitzer vergaben ihr Land an Vasallen, die wiederrum Vasallen hatten. Dies führte in der Folgezeit häufig zu Instabilität, da Adlige ihre Loyalitäten wechselten, wenn sie sich dadurch einen Vorteil versprachen.

Für einen mittelalterlichen König war die Unterstützung durch seine Vasallen notwendig, um eine stabile Herrschaft zu etablieren. Erschien der König als schwach oder gar verrückt, konnte ihn das die Unterstützung des Adels kosten. Die Folgen konnten gravierend sein – beispielsweise Bürgerkriege. Und genau das sollte zu den Rosenkriegen führen.

Das Haus Lancaster war seit 1399 auf dem Thron. York fühlte sich übergangen und hegte einen tiefen Groll gegen die Rivalen. Als der Lancaster-König Heinrich VI. zunehmend willensschwach wurde, brach der Widerstand offen aus. Richard, der Duke of York, wurde mehrfach Protektor, was den Thronstreit aber nicht beilegen konnte. Richard wurde schließlich 1460 in der Schlacht von Wakefield getötet.

Chronologie der bewaffneten Auseinandersetzungen

Es folgt eine Übersicht über die Schlachten während der Rosenkriege:

Jahr & OrtEreignis / Folge
1455 – St Albans IBeginn; York gewinnt – Auslöser.
1460 – WakefieldLancaster siegt, Richard of York fällt.
1461 – Mortimer’s CrossEdward Earl of March siegt zugunsten Yorks .
1461 – TowtonGranatsieg Yorks – ±20 000 Tote, Edward IV. wird König.
1471 – TewkesburyYorks vernichten Lancastrianische Hoffnung – Heinrich VI. wird ermordet.
1485 – Bosworth FieldSieg von Heinrich Tudor über Richard III. Heirat mit Elizabeth von York – Ende des York-Hauses.
1487 – StokeLetzter Yorkistischer Aufstand wird niedergeschlagen – letzte Schlacht.

Politische und gesellschaftliche Konsequenzen

Es gelang dem Haus York unter Edward IV. ihre Macht zu festigen und für etwas Stabilität zu sorgen. Er hatte in der Schlacht bei Mortimer’s Cross 1461 den Sieg errungen. Nach der Schlacht von Towton, ebenfalls im Jahr 1461, wurde er zum König gekrönt. Allerdings zeigte sich schnell, dass Stabilität in diesen Zeiten ein nur kurzlebiger Zustand war.

Edward heiratete Elizabeth Woodville und machte sie zu seiner Königin – gegen den ausdrücklichen Wunsch seines bisher wichtigsten Verbündeten, seinem Cousin Richard Neville, Earl of Warwick. Diesem war nicht nur der Aufstieg der Familie Woodville ein Dorn im Auge, sondern auch, dass Edward auf Anraten von Warwicks Erzrivalen William Herbert, Earl of Pembroke, ein Bündnis mit Burgund anstelle von Frankreich anstrebte.

1469 kam es zur offenen Rebellion. Richard Neville verbündete sich mit Edwards Bruder George und gab ihm seine Tochter Isabel zur Frau. Die Rebellion verlief Anfangs nach Plan, und Richard konnte Teile der Woodville-Familie beseitigen, den Earl of Pembroke hinrichten lassen und den König in Gewahrsam nehmen.

Richard, Duke of Gloucester und ebenfalls Bruder von Edward, konnte diesen jedoch befreien und die Truppen Richards besiegen. Dieser verließ England und versuchte, nach Calais zu gelangen. Als die Besatzung ihm den Zugang verwehrte, landete er stattdessen in Frankreich. Dort traf er auf eine überraschende Verbündete.

Nach einem Zerwürfnis mit König Eduard IV. schloss sich Richard Neville, der mächtige Earl of Warwick, der zuvor zu den führenden Unterstützern der Yorkisten gezählt hatte, mit der in Frankreich im Exil lebenden Königin Margarete von Anjou zusammen. Die Allianz wurde durch die Heirat von Warwicks Tochter Anne mit Eduard, dem Thronerben des Hauses Lancaster, besiegelt. Im Herbst 1470 führte Warwick ein Heer nach England, vertrieb Eduard IV. ohne größeren Widerstand und setzte den geistig instabilen Heinrich VI. erneut auf den Thron.

Da Heinrich zur eigenständigen Regierung unfähig war, übernahm Warwick mit einem handverlesenen Kronrat die Regentschaft. Diese faktische Machtübernahme führte zu wachsendem Misstrauen unter seinen Verbündeten. Als Eduard IV. im März 1471 mit burgundischer Unterstützung zurückkehrte, schlossen sich ihm zahlreiche ehemalige Gegner an. In der Schlacht von Barnet fiel Warwick, kurz darauf unterlag Königin Margarete mit ihrem Sohn in der entscheidenden Schlacht von Tewkesbury. Der Prinz kam ums Leben, Heinrich VI. wurde wenige Wochen später im Tower of London ermordet. Damit war das Haus Lancaster in seiner männlichen Linie de facto ausgelöscht.

Der Fall des Hauses York

Eduard IV. konnte nach seiner Rückkehr bis zu seinem Tod im April 1483 unangefochten regieren. Sein ältester Sohn, der minderjährige Eduard V., wurde von seinem Onkel Richard, Duke of Gloucester, unter dem Vorwand des Schutzes in den Tower gebracht. Nach der Ausschaltung seiner politischen Gegner ließ Richard sich durch das Parlament zum rechtmäßigen Thronfolger erklären, da die Ehe Eduards IV. nachträglich für ungültig erklärt und dessen Kinder zu illegitimen Nachkommen erklärt worden waren. Am 6. Juli 1483 wurde er als Richard III. gekrönt. Die beiden Prinzen im Tower verschwanden bald darauf spurlos – ein Vorfall, der Richards Herrschaft dauerhaft belastete.

Die öffentliche Empörung über das mutmaßliche Verschwinden (und mögliche Ermorden) der Prinzen führte dazu, dass sich Teile des Adels gegen Richard wandten und dem in Frankreich im Exil lebenden Henry Tudor die Unterstützung zusagten. Ein erster Aufstand im Herbst 1483 unter dem Duke of Buckingham scheiterte jedoch.

Henry Tudor und das Ende der Rosenkriege

Im August 1485 landete Henry Tudor mit einer vergleichsweise kleinen Armee in Wales. Auf seinem Marsch durch England schlossen sich ihm zahlreiche Unzufriedene an. In der Schlacht von Bosworth Field am 22. August 1485 besiegte er Richard III., der im Kampf fiel – unterstützt durch den Seitenwechsel von Thomas Stanley, Richards einstigem Verbündeten.

Heinrich bestieg als Heinrich VII. den Thron und festigte seine dynastische Legitimität durch die Heirat mit Elizabeth of York, der Tochter Eduards IV. Die Vereinigung der Häuser Lancaster und York im Haus Tudor symbolisierte das offizielle Ende der Rosenkriege.

Doch die dynastischen Spannungen hielten an: 1487 stellte sich Lambert Simnel als Edward, Earl of Warwick, aus und landete mit irischen und deutschen Truppen in England. Die entscheidende Schlacht bei Stoke Field endete mit Simnels Gefangennahme und dem Tod seines Unterstützers, John de la Pole. In den 1490er Jahren trat mit Perkin Warbeck ein weiterer Prätendent auf, der vorgab, einer der verschwundenen Prinzen zu sein. Diese spätmittelalterlichen Thronansprüche markieren den langen Nachhall des Konflikts.

Historische Bewertung

Namensgebung und Symbolik

Die Bezeichnung Rosenkriege ist eine nachträgliche Konstruktion, die erst im 18. und 19. Jahrhundert, unter anderem durch Sir Walter Scott, popularisiert wurde. Die Verwendung der Rosen – weiß für York, rot für Lancaster – als symbolische Repräsentationen zweier „Parteien“ ist historisch überzeichnet und romantisierend. Zeitgenössische Quellen verwendeten diese Symbole kaum systematisch. Dennoch hat diese symbolische Dichotomie bis in die Gegenwart kulturelle Resonanz – etwa in der populären Rezeption der Konflikte in Werken wie Game of Thrones, das zahlreiche Motive aus den Rosenkriegen adaptiert.

Gesellschaftlicher Wandel

Die Rosenkriege beschleunigten tiefgreifende Veränderungen in der politischen Struktur Englands. Der wiederholte Wechsel der Machtzentren und das weitgehende Versagen traditioneller Adelsnetzwerke führten zur Schwächung des feudalen Adels als eigenständige Machtbasis. Stattdessen verstärkte sich die Tendenz zu zentralisierter, königlich kontrollierter Verwaltung. Insbesondere unter Heinrich VII. wurde das Königstum professionalisiert – mit verlässlicheren Finanzstrukturen, strengerer Kontrolle des Hochadels und dem Aufbau eines Verwaltungsapparats, der sich auf loyal gebundene Beamte stützte.

Historiographie

Die Quellenlage zur Spätphase der Rosenkriege ist stark durch die Perspektive der Sieger – insbesondere das Haus York und später die Tudors – geprägt. Zeitgenössische Chroniken und spätere Darstellungen stilisierten die Gegner oft als Verräter oder Usurpatoren, was eine kritische Bewertung der Ereignisse erschwert. Frauen wie Margaret of Anjou oder Elizabeth Woodville wurden in der älteren Forschung häufig marginalisiert oder auf stereotype Rollen reduziert. Erst in jüngerer Zeit rücken ihre politischen Handlungen, Netzwerke und strategischen Allianzen verstärkt in den Fokus historischer Untersuchungen.

Quellen- und Literaturverzeichnis

Primärquellen (in Übersetzung oder kritischer Edition)

  • The Paston Letters. Hrsg. von Norman Davis. Oxford: Oxford University Press, 2004.
    (Briefe einer Adelsfamilie des 15. Jahrhunderts, bieten Einblicke in Alltag, Politik und Machtkämpfe der Zeit)
  • The Croyland Chronicle Continuations 1459–1486. Hrsg. von Nicholas Pronay und John Cox. London: Richard III and Yorkist History Trust, 1986.
    (Zeitgenössische Chronik mit Fokus auf die Regierungszeiten von Eduard IV. und Richard III.)
  • The Great Chronicle of London. Hrsg. von A. H. Thomas und I. D. Thornley. London: George W. Jones, 1938.
    (Chronik mit Perspektive der Londoner Stadtregierung – aufschlussreich für das städtische Verhältnis zu den Thronwechseln)

Sekundärliteratur

  • Carpenter, Christine: The Wars of the Roses: Politics and the Constitution in England, c. 1437–1509. Cambridge: Cambridge University Press, 1997.
    (Eine der führenden modernen Studien zur politischen Struktur des Krieges)
  • Grummitt, David: A Short History of the Wars of the Roses. London: I.B. Tauris, 2013.
    (Kompakter Überblick mit solider Einordnung der Schlachten, Allianzen und Königsdynastien)
  • Hicks, Michael: The Wars of the Roses. 2. Auflage. New Haven/London: Yale University Press, 2010.
    (Umfassende Darstellung, kritisch gegenüber der Tudor-historischen Deutung)
  • Castor, Helen: She-Wolves: The Women Who Ruled England Before Elizabeth. London: Faber & Faber, 2010.
    (Untersucht die politischen Rollen von Frauen wie Margaret of Anjou und Elizabeth Woodville)
  • Weir, Alison: Lancaster and York: The Wars of the Roses. London: Jonathan Cape, 1995.
    (Erzählerische, populärwissenschaftlich fundierte Gesamtdarstellung)
  • Haigh, Philip: The Military Campaigns of the Wars of the Roses. London: Sutton Publishing, 1995.
    (Fokus auf Taktik, Strategie und Kriegsverlauf einzelner Schlachten)

Webquellen

  • Wikipedia (deutsch): Rosenkriege, Stand: Juni 2025.
    (Einstiegspunkt mit hilfreichen Links zu Personen, Schlachten und genealogischen Tabellen)

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