Ich schreibe in der Überschrift ganz bewusst, dass es sich hierbei um eine Einführung handelt. Das Feld der Ritterorden ist enorm groß. Das gilt sowohl in zeitlicher Hinsicht als auch für ihre große Zahl. In diesem Artikel soll es darum gehen, einen kurzen Überblick zu geben und zu erklären, welche Idee hinter ihrer Entstehung stand.
Im frühen Mittelalter entwickelte sich nach und nach eine neue Klasse von professionellen Kämpfern: die Ritter. Bewaffnete Reiter gab es zwar bereits in der Antike, und auch schwergepanzerte berittene Kämpfer gab es schon. Bekannte hierfür war vor allem das antike Perserrreich. Was also unterschied die Ritter von antiker schwerer Kavallerie? Der große Unterschied lag vor allem in ihrer Philosophie. Das Rittertum entwickelte sich aus der Führungsschicht der Stämme, die sich in Europa im frühen Mittelalter um die Macht stritten. Der Ritterstand bezeichnete nicht nur Mitglieder der kämpfenden Schicht, sondern auch die Mitglieder einer exklusiven Gruppe, die das Recht hatte, offen Waffen zu führen.
Die Hauptaufgabe der Ritter war der Kampf. Im Krieg bildeten sie die schwere Kavallerie, deren Angriff häufig eine Schlacht entscheiden konnte. Doch auch in Friedenszeiten waren sie ein ständiger Unruhefaktor. Fehden zwischen Adelsgeschlechtern führten immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen Christen gegen Christen in den Kampf zogen. Die Kirche versuchte schon früh, den Glauben friedensstiftend einzusetzen. Der Gottesfrieden legte beispielsweise bestimmte Tage fest, an denen der Frieden gewahrt werden musste (z.B. Feiertage). Der Erfolg war aber wohl nicht sehr groß. Mit den Kreuzzügen ins Heilige Land und dem Beginn der Reconquista in Spanien ergaben sich plötzlich neue Möglichkeiten, dass kriegerische Potential der Ritter zugunsten der Kirche zu nutzen.
Den Rittern wurde die Vergebung vergangener und zukünftiger Sünden zugesagt, wenn sie an den Kriegszügen teilnahmen. Mit der Anerkennung der Gründungen der Ritterorden ging die Kirche allerdings noch einen Schritt weiter. Hier kam es dazu, dass das Mönchsideal mit dem Ritterideal verbunden wurde. Die Ordensritter sollten ein Leben in Armut und Enthaltsamkeit führen und gleichzeitig Ungläubige bekämpfen und sich um Pilger kümmern. Hier kam es allerdings zu Konflikten. Ein Ritter konnte nicht arm sein, denn er musste seine Waffen, Rüstungen und Pferde finanzieren. Auch konnte er nicht regelmäßig fasten, da er ansonsten seine Kampfkraft eingebüßt hätte. Kompromisse waren hier also unumgänglich. Genauso sah es mit dem Gebot „Du sollst nicht töten“ aus. Dies wurde dadurch umgangen, dass die Ordensritter sich auf das Töten von Heiden beschränkten. Dies galt als Dienst für die Christenheit und verhieß das Paradies, vor allem dann, wenn der Ritter im Kampf gegen die Ungläubigen fiel.
Der wohl bekannteste Ritterorden war der 1120 gegründete Templerorden. Dieser war militärisch ausgerichtet und schützte die Pilgerwege gegen Räuber und Angriffe von Muslimen. Auch beteiligte er sich intensiv an der Verteidigung von Städten und auch Eroberungen. Ihren Namen erhielten sie durch ihr Haupthaus, welches auf dem Tempelberg in Jerusalem stand. Der Deutsche Orden entstand aus einem Feldhospital, dass 1190 im heiligen Land von deutschen Kaufleuten aufgebaut wurde. Nach dem Verlust der Gebiete in Palästina konzentrierte er sich auf die Missionierung in den Gebieten an der Ostsee. Der 1159 gegründete Johanniterorden war vor allem dafür bekannt, Hospitäler für Kranke zu betreiben. Dennoch waren auch seine Mitglieder militärisch engagiert. Nach der Übersiedlung nach Malta im Jahr 1530 wurden sie auch als Malteser bezeichnet. Nach der Reformation spaltete sich der Orden in einen evangelischen Zweig, die Johanniter, und einen katholischen, die Malteser. Alle Orden errichteten eigene Burgen und trugen einen erheblichen Anteil an der Landesverteidigung. Es handelte sich bei ihnen um professionelle Soldaten, die sich an christlichen Werte orientierten. Dies lässt sich daran erkennen, dass die Orden eine Regel erhielten, wie dies sonst nur für Klöster der Fall war. Johanniter und Malteser konzentrierten sich später ausschließlich auf die Krankenpflege und sind in diesem Bereich bis heute tätig.
Darüber hinaus gab es eine ganze Reihe anderer Ritterorden, insbesondere in Spanien. Die Gründung der Orden erfolgte meistens durch Adlige, die ebenfalls Ritter waren. Durch Schenkungen gelangten die Orden recht bald zu Grundbesitz und Geld, und damit zu politischer Bedeutung. Eine Tatsache, die letztlich dem Templerorden und auch dem Deutschen Orden zum Verhängnis werden sollte. Die Orden allerdings, die sich neben ihren militärischen Aufgaben der Pflege von Kranken und Hilfsbedürftigen widmeten, konnten bis heute bestehen.
Sekundärliteratur:
Demurger, Alain: Die Templer. Aufstieg und Untergang 1120-1314. Auflage 50-55. Tausend 2007. München 2007.
Göttert, Karl-Heinz: Die Ritter. Stuttgart 2011.
Über den Autor:

Daniel Ossenkop hat Geschichte, English Studies sowie Mittelalterliche Geschichte an der TU Braunschweig und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert. Seine Masterarbeit zur Belagerung von Neuss durch den Burgunderherzog Karl den Kühnen 1475 ist 2014 im Diplomica-Verlag erschienen. Heute arbeitet er als Lehrer für Geschichte und Englisch.
Das mit Johanniter und Malteser bitte noch mal recherchieren, denn Johanniter und Malteser sind ein und der selbe Orden, im zweifelsfall tut es auch ein Blick ins Wikipedia.
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Ich danke dir für den Hinweis!
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